· Olivier Demichel · 5 min read
Warum Aerodynamik noch mehr Zeit spart, wenn man langsamer fährt
Entgegen der landläufigen Meinung betrifft Aerodynamik nicht nur Profis bei 50 km/h. Je langsamer du fährst, desto mehr kann die Optimierung deiner Position deine Endzeit verändern. Wissenschaftliche Analyse und konkrete Beispiele.

Einleitung
Viele Radsportler denken:
“Aerodynamik ist für Profis.” “Unter 40 km/h ändert sich nicht viel.”
Das ist falsch.
Die physikalischen Gesetze sind für alle gleich. Und in Wahrheit kann Aerodynamik ein zeitlich viel entscheidenderer Hebel für Amateure sein als für Profis.
Wir erklären es dir!
Ab welcher Geschwindigkeit zählt Aerodynamik im Radsport?
Der Luftwiderstand wird ab 15 km/h zur dominierenden Kraft, wo er bereits mehr als 50 % des Fahrwiderstands auf der Ebene ausmacht. Bei 30 km/h erreicht er etwa 80 %. Aerodynamik betrifft also alle Radsportler, nicht nur die über 40 km/h.
Luftwiderstand: Widerstandskraft der Luft auf den fahrenden Radfahrer. Sie hängt von der Stirnfläche (A), dem Formbeiwert (Cd) und dem Quadrat der Geschwindigkeit ab. Das Produkt CdA (Cd × A) ist der Schlüsselindikator: Er wird in m² gemessen und variiert von ~0,20 m² (optimierte Zeitfahrposition) bis ~0,40 m² (aufrechte Straßenposition).
Anders gesagt: Selbst bei “moderater” Geschwindigkeit ist die Luft bereits dein Hauptgegner.
Warum gewinnen Amateure mehr Zeit als Profis durch Aero-Optimierung?
Man hört oft:
“Profis fahren schneller, also zählt Aero mehr für sie.”
Das ist teilweise richtig… aber unvollständig.
Die Realität ist: Wenn man den Luftwiderstand um 10 % reduziert, liegt die eingesparte Leistung bereits ab 20 km/h ebenfalls bei nahezu 10 %. Das führt bei konstanter Leistung zu einer Geschwindigkeitssteigerung von etwa 3 %. Diese Realität gilt für alle.
Konkret bedeutet das: von 40 km/h auf 41,2 km/h und von 20 km/h auf 20,6 km/h.
Also ja, je schneller du fährst, desto größer ist der Aero-Effekt auf deinem Tacho! Und Zehntel-km/h zu gewinnen scheint zunächst vernachlässigbar…
Und genau hier gibt es eine riesige Verwechslung, die Amateure viel Zeit bei ihren Chronos kostet…
👉 Sprechen wir über Zeitgewinne
Wenn du mit 40 km/h fährst, brauchst du 1 Min. 30 Sek. pro km. Bei 41,2 km/h sind es 1 Min. 27 Sek.
Wenn du mit 20 km/h fährst, brauchst du 3 Min. pro km. Bei 20,6 km/h sind es 2 Min. 55 Sek.
Anders ausgedrückt: Wenn ein schneller Radfahrer seine Aero um 10 % optimiert, gewinnt er 3 Sek. pro km. Für den doppelt so langsamen Amateur sind es mehr als 5 Sekunden pro km!
Amateure haben also deutlich mehr Zeitgewinn bei der Optimierung ihrer Aerodynamik.

Das Bild oben zeigt die Gewinne, die du erzielen kannst, wenn du von einer aufrechten Position zu einer optimierten aerodynamischen Position auf dem Rennrad oder Zeitfahrrad (oder Triathlon) wechselst.
Und ja, deine Position ermöglicht dir einen Gewinn von bis zu 20 Sek./km, wenn du mit 20 km/h fährst…
Der Effekt verstärkt sich auf langen Distanzen, und auf dem Ironman (180 km) wird der Effekt noch spektakulärer. Wenn der Amateur die Zeitbarrieren anvisiert, wird die Position entscheidend…
Wie viel Zeit gewinnt man auf 40 km durch Positionsoptimierung?
Stellen wir uns zwei Radfahrer vor, die ihre Aerodynamik um 10 % verbessern. Der eine fährt anfangs 45 km/h, der andere 32 km/h.
- Bei 45 km/h → - 1 Minute 40 Sekunden auf 40 km
- Bei 32 km/h → - 2 Minuten 20 Sekunden auf 40 km
Der Zeitgewinn ist also immer größer für den langsameren Radfahrer.
Auf einem Ironman (180 km) ermöglicht eine 10%ige CdA-Verbesserung einem Amateur bei 30 km/h einen Gewinn von mehr als 10 Minuten auf dem Radteil — ohne ein einziges zusätzliches Watt zu erzeugen.
Aeroposition vs. Leistung: Was ist die bessere Investition?
Für einen Amateur:
- Die FTP um 20 Watt zu steigern, erfordert monatelanges Training.
- Den CdA um 8 bis 12 % zu reduzieren, ist in wenigen Wochen machbar.
Und vor allem:
👉 Die Position ist ein kostenloser Hebel.
Kein 10.000-€-Rad nötig. Kein exotischer Sensor nötig.
Es geht darum zu lernen:
- Seine Position zu optimieren
- Sie zu halten
- In dieser Position leistungsstark zu sein
Warum vernachlässigen Radsportler die Aerodynamik?
Die meisten Radsportler ignorieren die Aerodynamik, weil sie unsichtbar ist: Im Gegensatz zur Leistung (auf dem Display angezeigt) oder der Herzfrequenz (körperlich spürbar) erzeugt der Luftwiderstand ohne spezielles Werkzeug kein wahrnehmbares Signal. Drei Hauptgründe:
- Kein Echtzeit-Feedback
- Schwierigkeit, den Luftwiderstand zu spüren
- Übermäßige Fokussierung auf Leistung
Leistung ist sichtbar. Aerodynamik ist unsichtbar — außer mit AeroX!
Also wird sie vernachlässigt.
Fazit
Aerodynamik ist nicht den Eliten vorbehalten.
Sie ist sogar rentabler für Amateure.
Die Frage lautet also nicht:
“Fahre ich schnell genug, damit Aero zählt?”
Sondern eher:
“Wie viele Minuten bin ich bereit, auf der Strecke liegen zu lassen?”
Häufig gestellte Fragen
Bringt Aerodynamik unter 30 km/h etwas?
Wie viel Zeit gewinnt man auf einem Ironman durch Positionsverbesserung?
Was ist der CdA im Radsport?
Ist es besser, härter zu trainieren oder die Position zu verbessern?
Wie misst man seine Aerodynamik ohne Windkanal?
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Gründer & Ingenieur
Ehemaliger Forscher am CNRS und leidenschaftlicher Triathlet — Olivier hat AeroX entwickelt, um seine eigenen aerodynamischen Blockaden zu lösen. Heute stellt er seine wissenschaftliche Expertise und Athletenerfahrung in den Dienst aller Amateure und Elitesportler, die schneller fahren wollen.

